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ich habe angst, dass nun nichts mehr hält, verstehst du? ich komme mir so allein und dumm vor, und auch, wenn ich weiß, dass es nicht so ist, dass es in wenigen wochen normal sein wird, dass man sich immer an alles gewöhnt - es ist trotzdem so schwer. und weißt du, die normalität wird uns vielleicht das band nehmen. ich weiß nicht, wie das endet, aber ich habe angst vor menschen, weißt du, ich habe so große angst, dass sie mich nicht mögen, dass ich mich am liebsten verstecken möchte. und daher kommen auch die ganzen probleme. ich beiße die zähne zusammen, aber irgendwann tut das doch noch mehr weh. ich will so gern weg von hier. ich will ins nirgendwo.

 

ins nimmerland.

24.8.07 22:58



vergangen.

ich weiß nicht, ob es sinnvoll ist, in vergangenem herumzuwühlen. aber um mit etwas abzuschließen, kann man es nicht vergessen, und ich denke, ab und zu ist es an der zeit, sich daran zu erinnern.

weißt du, die jahre vergehen schneller, als ich denke. das ist nichts neues, aber wenn du siehst - wie anders du gedacht hast - macht es dir nicht auch manchmal angst? was du damals für normal, für richtig gehalten hast, wie verzweifelt du gewesen sein musst oder wie weit du dich gehen lassen hast?

ein jahr, in dem sich soviel verändert hat und trotzdem alles gleich geblieben ist.

Glück

Sind wir verloren, wenn wir verlieren? Können wir noch aufstehen? Aufstehen mit gebrochenen Beinen? Heilen die wieder, wenn sie einmal kaputt sind? Oder braucht man für immer Krücken? Und wenn uns die Krücken zerbrechen, uns der Boden unter den Füßen weggezogen wird? Sind wir irgendwann zu gebrochen? Haben wir irgendwann keine Lust mehr? Hatten wir jemals Lust?

Haben wir öfter gelacht oder öfter geweint? Waren die Tränen das Lachen wert? Was würden wir machen, wenn wir niemals geweint hätten? Wäre uns dann nichts wichtig? Hätten wir uns dann nicht schon verloren? Gäbe es dann nichts, was uns noch brechen würde? Oder würde uns gerade das töten? Vielleicht wären wir ohne Tränen schon tot.

Was macht man ohne Lachen? Ist man dann immer allein? Ist man nicht auch manchmal allein, wenn man lacht? Sollte man immer das tun, was man möchte? Wäre das leichter? Wäre es besser, wenn wir weinen würden, wenn wir es wollten? Oder sollten wir lachen, um andere nicht zum Weinen zu bringen?

Ist es wichtiger, so zu leben, wie es einem Spaß macht, oder so zu leben, wie man anderen am ehesten hilft? Macht es Spaß, anderen zu helfen? Oder ist es Arbeit? Lohnt sich der Aufwand für die Freude der anderen, auch wenn man selbst nichts anderes davon trägt? Bringt uns ein Lächeln weiter? Auch, wenn wir sonst nichts haben, außer dieses Lächeln? Überhaupt nichts?

Braucht man nicht etwas mehr? Nützt es uns eigentlich, andere glücklich zu machen? Werden wir davon selbst glücklich? Wie viel Bedeutung zollen wir Geld? Macht uns Geld am Ende doch glücklich?

Was ist Glück? Braucht man dazu von allem etwas? Oder von einem viel? Oder bedeutet Glück einfach, glücklich zu sein mit allem?

Fallen wir tief, wenn wir kein Glück mehr haben? Können wir wieder aufstehen? Kann man zwei Mal im Leben Glück haben? Macht uns das Ende glücklicher oder der Anfang? Liegt das nicht alles dicht beieinander? Sollen wir aufstehen oder liegen bleiben? Liegt diese Entscheidung bei uns? Oder brauchen wir einfach ein wenig Glück?

da habe ich mich es noch nicht so richtig getraut. da war noch viel mehr, zu dem ich schweigen wollte. aber es war da und ich habe es gespürt und dann, dann ging es weiter.

Herzblut

Die Nacht war kalt, eiskalt. Und trotzdem schienen die Sterne so hell. Sie fragte sich, wie das möglich war. Warum konnte die Nacht so schön und trotzdem so kalt sein?

Der Boden unter ihr war feucht und kühl. Es kam ihr vor, als würden die Bäume singen. Ein Lied von Leid und Kummer, ein Lied, dass die Welt treffender beschrieb, als jedes Wort, was der Mensch schreiben konnte. Trotzdem war es nur das Rauschen des Windes in den Baumkronen, hoch oben, fast bei den Sternen. Gerne hätte sie einen Stern, einen Stern, der so warm war, dass er sie von innen heraus wärmte. Sie wollte seine Glut in ihrer Hand spüren.

Doch alles was sie spürte war ihr Geist, der langsam aus ihr herausrann. Wo würde er hinkommen? Würde er zu den Sternen steigen?

Oder den Boden durchnässen und tief in die Erde eindringen, bis zu den Wurzeln? Sie wusste es nicht, aber er verließ sie. Ihre Seele rann so schnell aus ihr heraus, wie sie es nie für möglich gehalten hatte. All die Jahre, all die Zeit, hatte ihre Seele sie erfüllt.

Sie war geschunden, vernarbt, aufgeblüht, als sie es nicht mehr erwartet hatte, aber sie war immer da gewesen. Und jetzt verließ sie sie. So einfach, ohne ein Wort. In der Stille der Nacht, in dieser wunderschönen Nacht, rann sie davon, flog sie davon, ließ sie allein in der Kälte.

Sie begann zu zittern. Konnte es kälter werden, wenn man schon erfroren war?

Sie war so verlassen, und der dunkle Wald sang weiter sein Lied. Er sang so schön, dass sie erschauderte und so schaurig, dass sie am liebsten weinen wollte. Doch sie hatte keine Tränen mehr. Die Tränen waren vor dem Geist gegangen. In dieser Nacht verließ sie alles. Alles, was sie jemals einen neuen Morgen erleben ließ.

Ihre Stimme hatte schon lange versagt. Was sollte sie auch damit? Hier, wo sie keiner hörte? Und was sollte sie mit ihrer Stimme machen? Die Hoffnung zurückrufen?

Wenn man nichts mehr hat, dann hat man immer noch die Hoffnung, hatte man ihr gesagt. Ihre Hoffnung aber war verblasst, doch sie fühlte, wie ihr Herz klopfte. Wie es blutete, wie das Blut langsam kälter wurde.

Kälter und kälter, so kalt wie die Nacht. Wie weniger Blut hinausrann, wie es langsam zu verebben schien. Wenn das Herz nicht mehr bluten konnte, war es dann tot? Wenn es aufhörte zu schlagen, zu schmerzen, zu zerreißen?

Doch der Schmerz wurde größer. Sie hätte schreien können vor Leid, aber sie hatte ihre Stimme verloren. Sie hätte weinen können, doch sie hatte keine Tränen mehr.

Und hoffen konnte sie auch nicht mehr.

Die Sterne wurden heller und heller und sie kamen näher und näher. Der Himmel wurde dunkler, das Lied des Waldes tiefer, und ihr Herz hörte mit einem Mal auf zu bluten.

Sie hatte das Gefühl, als würde es zerreißen, als der Kopf ihres Geliebten, den sie im Schoß barg, langsam zur Seite rollte, als sein Körper kälter war als ihrer, als seine Augen sich langsam schlossen und seine Seele davon schwebte, nach Hause, nach Hause zu der ihrigen.

Doch in dem Moment, als ihr Herz zerbarst, bekam sie ihre Stimme zurück und ihre Tränen auch. Und sie schrie nach ihrem Herz, doch es würde niemals zurückkehren. Egal, wie sehr ihre Rufe durch den Wald hallten, denn er hatte es mitgenommen, und das wusste sie.


weißt du, ich hab mir das gewünscht, und ich tue es auch heute manchmal noch - aber anders. ich denke schon, dass es im grunde um das gleiche ging. einen menschen so bedingungslos zu lieben und den schmerz zu spüren, wenn es ausgeht, um zu wissen, was war. aber - ich weiß nicht - heute, da würde ich das ganz anders machen. ich würde irgendwas anders tun. ich würde es nicht enden lassen, wie ich es getan habe, verstehst du? ich würde es mich nicht trauen. ich hätte angst, ich bekäme die wörter nicht geschrieben. aber die nacht war so dunkel und ich weiß, wie die worte in meinem kopf gehaust haben, ohne aus buchstaben zusammengesetzt zu sein. und dann fingen die finger an. aber - ich glaube, ich hätte angst, dass es mir passierte - und wollen täte ich es jetzt bestimmt nicht mehr. es ist die liebe, um die es geht.

Niemand fragt

Sie fragte sich, wie oft man lieben kann. Und wie viel man lieben kann. Ob man wohl alle Liebe einem Menschen schenken kann? Und danach keinem mehr? Oder kommt die Liebe zurück, wenn dieser Mensch gegangen ist?

Sie zog die Beine an und sah aus dem Fenster. Der Regen fiel schnell. Und er klopfte gegen die Fensterscheibe. Aber sie hörte ihn nicht.

Wie lange es wohl dauern würde, bis man jemanden vergisst, den man sehr liebt? Ihre Füße wurden kalt. Es war ohnehin alles kalt.

Und dass es nie wieder warm werden würde, das war ihr klar. Auch wenn die Zeit alle Wunden heilte. Angeblich. Vielleicht, wenn man daran glaubte. Aber wenn man keinen Willen mehr hatte, zu glauben? Und keinen Grund? Wenn man kraftlos war?

Aber auch die Zeit konnte nicht alle Spuren verwischen. Nicht die Kratzer in der Seele.

Niemand hatte sie gefragt, ob sie jemals Haar gerochen hatte, das sie mehr ans Meer erinnert hätte. Nicht die Zeit, und die Liebe schon gar nicht.

Ob sie jemals eine Haut gespürt hatte, die sich mehr nach Freiheit angefühlt hatte. Oder ob ein Herzschlag so warm sein konnte. Ob sie jemals eine Stimme gehört hatte, die sich mehr nach Süden angehört hatte, oder ob je eine Hand so wohltuend gewesen war.

Und das alles hatte man ihr genommen. Niemand hatte sie je gefragt. Niemand hatte je gefühlt wie sie es hatte. Und niemand würde es ihr zurückgeben.

Auch nicht die Liebe, die sie diesem einen Menschen geschenkt hatte. Ihm allein. Und keinem anderen. Sie wusste, dass sie niemals zurückkehren würde, dass sie weg war, bei ihm.

Seine Worte hatten sich wie Honig angehört. Seine Träume waren wie Schlösser aus Sonnenstrahlen, und sie, sie war die Prinzessin gewesen, die ganz oben, auf dem obersten Turm des Schlosses gestanden und zugesehen hatte, wie ihr Ritter für sie fiel.

Draußen fiel der Regen weiter. Das Wasser rann die Glasscheibe herunter. Und es rann ihr Gesicht herunter, und eine kurze Zeit hatte sie Angst, dass die Tränen vielleicht auf ihrem Gesicht gefrieren konnte, bis sie sich erinnert hatte, dass warmes Blut nicht fror.

Die Welt war so grau wie ihre Seele. Wieso sollte sie glauben, dass der Himmel aufklaren würde? Wieso sollte sie glauben, dass eine Wolke bei Seite rückte? Und von einem Regenbogen konnte sie nicht einmal träumen, denn sie hatte seine Farben vergessen.

Er würde erst aufklaren, wenn sie das zurückbekam, was man ihr gestohlen hatte. Ohne zu fragen. Einfach so. Grundlos.

ich glaube, in dem moment zerbrach etwas - etwas, was vorher zwoschen mir und meinem kopf stand. etwas, das mich zurückhielt. aber ich empfand es als schön, diese worte, die doch eigentlich nichts mehr ausdrucken als das, von dem man sich wünscht, es widerführe einem nie. oder?

Man verliert nichts

Früher habe ich oft Sachen verloren. Aber ich habe sie meistens auch wieder gefunden.

„Glückskind“, hat meine Oma immer gesagt. Ich erinnere mich noch jetzt daran, wie warm sie mich angelächelt hat, und wie ihre Hände schon damals so zerbrechlich unter ihrer dünnen Haut gewirkt haben.

Und dann verlor ich wieder etwas. Ich habe stundenlang geweint, und meine Oma hat mir einen warmen Kakao gemacht, und ganz langsam wurde mein Atem wieder ruhig und meine kleinen Hände hörten auf zu zittern.

„Das Haus verliert nichts“, hat sie gesagt, und sie behielt Recht. Auch sonst verlor ich nichts, alles tauchte wieder auf, im Kindergarten, auf dem Spielplatz, bei Freunden – einfach überall.

„Siehst du, du bist einfach ein Glückskind“, hat meine Oma gesagt und ist mit ihren runzligen Fingern über meine Wange gefahren.

Doch sie hatte nicht so ein Glück. Eines Tages verlor meine Oma etwas – nämlich den Opa.

„Oma?“, habe ich gesagt, „Oma, denkst du, wir finden den Opa wieder?“

Sie hat mich angeschaut, ihre Augen waren ganz komisch, und sie machte uns beiden einen Kakao und sagte: „Du weißt doch, dass man nichts für immer verlieren kann.“

Ich war wieder glücklich, heute weiß ich, dass meine Oma sicher nicht so einfach wieder glücklich war. Aber sie war eine alte Frau mit einem Herz aus Gold.

Dann, irgendwann, war die Oma weg.

„Sie ist beim Opa“, sagte meine Mama.

„Hat sie ihn wiedergefunden?“, fragte ich damals.

„Jah, mein Schatz, das hat sie“, sagte die Mama, aber sie klang nicht fröhlich. Ihre Lippen bebten und sie gluckste andauernd so komisch.

„Dann ist ja alles gut“, sagte ich. Ich fragte mich, wieso die Mama nicht verstand, dass man nichts verlor.

Heute sitze ich hier – und ich frage mich, ob man wirklich nichts verliert. Immer wieder wandert mein Blick zum Fenster, aber es ist so dunkel draußen, dass ich nichts sehen kann. Nicht mal die Sterne, denn der Schnee fliegt so dicht, dass man fast den Eindruck hat, er würde sogar die Dunkelheit verschlucken.

Die Dampfschwaden des warmen Kakaos in meiner Hand steigen in die Luft und ihr Duft vermischt sich langsam mit dem aus Zimt und Vanille.

Der Weihnachtsbaum ist schön dieses Jahr, das Kaminfeuer spiegelt sich in den Glaskugeln.

Es ist eine dieser langen Winternächte kurz vor Weihnachten. Die Kinder sind im Bett, und ich bin allein und es ist so schrecklich still. In diesen Nächten denke ich noch immer oft an meine Oma. Daran, was sie behauptet hat.

Ich nehme einen Schluck Kakao. Ich sehe ihr Bild so deutlich vor mir, ihr faltiges Gesicht, die Wärme in ihren Augen, und wieder merke ich, wie es mir den Atem nimmt.

Ich frage mich, wann er heimkommt und ob er überhaupt noch mal heimkommt. Ob ich ihn vielleicht schon verloren hatte?

Ein lautes Poltern reißt mich aus meinen Gedanken.

„Mama“, höre ich ein Kinderstimmchen von oben dumpf rufen. Schnell setze ich die Tasse ab.

Als ich die Tür zum Zimmer meiner Jüngsten öffne, kann ich sie zunächst gar nicht erkennen. Es ist sehr dunkel im Zimmer, meine Augen sind noch an die Helligkeit im Wohnzimmer gewöhnt. Mit einer raschen Bewegung findet meine Hand den Lichtschalter – da erkenne ich, dass sie aus ihrem Bett geklettert ist und vor dem Regal auf den Zehenspitzen balanciert, die kleinen Ärmchen nach einer Kiste in einem der oberen Fächer ausgestreckt.

„Was machst du da?“, frage ich und knie mich neben sie, „ist alles okay?“

„Ich komm da nicht dran!“, jammert sie und ich wundere mich, was das Ganze mitten in der Nacht soll, greife aber trotzdem nach der Kiste und reiche sie ihr.

„Ich hab von Papa geträumt“, murmelt sie, und mein Herz sackt fast unmerklich tiefer. Sie nestelt am Verschluss der Kiste.

„Und mir ist etwas eingefallen“, meint sie und mit einem leisen Klacken öffnet sich die Kiste. Zum Vorschein kommt ein kleiner, silberner Kinderring.

„Ich dachte, den hättest du verloren?“, frage ich erstaunt und betrachte das Ringlein. Zuletzt gesehen habe ich es, als mein Mann mir es stolz zeigte, und mir erklärte, dass der Stein wunderbar zu ihren Augen passte. Sie hatte sich gefreut, und ihn mitgenommen, und irgendwann hatte keiner ihn mehr finden können.

„Ich habe ihn wiedergefunden“, sagt sie, wendet ihr Gesicht und strahlt mich an. Im Schein der Lampe kann ich immer noch erkennen, dass sie dieselben Augen wie ihr Vater hat, genauso meeresblau, so tief, und so stolz.

In dem Moment weiß ich, dass meine Oma Recht hatte, all die Jahre – man verliert nichts.

ich glaube nicht, dass es damals schon merklich besser war, aber ich sehe immernoch, dass es nie zu tief zum aufsteigen war. ich glaube, es war diese illusion, dass schmerz helfen könnte, dass ich ihn verdiente, dass ich beschäftigt war. aber es war nie zu - schlimm. obwohl es schrecklich war. aber es war auch damals nicht immer richtig. nie so ganz richtig.

Damals

Wie war das denn früher?“, fragte Niklas und kletterte auf meinen Schoß. Es dauerte einige Zeit, bis er bequem saß. Ich saß danach leider noch unbequemer.

„Hmm?“, bohrte er. Ich wusste nie, was ich ihm erzählen sollte. Jetzt war alles gut.

Wie war das denn früher gewesen?

Ich war achtzehn Jahre, als Niklas geboren wurde. Noch heute höre ich meinen Vater schreien: „Du hast dir deine Zukunft verbaut, Mädchen! Was soll denn jetzt aus dir werden?! Denkst du eigentlich nie nach? Was bist du eigentlich?!“

Doch ich hatte nicht nachgedacht, keine Minute, keine Sekunde. Und dann stand ich da. Mit den Koffern in der Hand. Vor der Tür.

Damals war ich noch nicht mal achtzehn. Das war noch am Anfang. Draußen auf der Türschwelle stand ich, meine Beine hatten sich angefühlt, als wären sie nicht bereit, mich nur einen Meter vorwärts zu bringen. Ich roch noch den schalen Alkoholgeruch hinter mir, ich hatte es immer abstoßend gefunden. Aber hier draußen war es kalt. Mein Atem gefror in der Winterluft. Ich war so hilflos, ich hatte keine Ahnung, was ich machen sollte.

Ganz langsam begannen meine Beine, sich zu bewegen. Erst einen Schritt, dann noch einen. Ich konnte nicht sehen, wohin sie mich führten, ich war nicht mehr in der Lage, unter all den Tränen noch zu sehen.

Irgendwann fischte er mich raus, mitten in der Nacht, und brachte mich zu sich nach Hause.

„Was soll bloß aus uns werden?“, murmelte ich, während er mich in warme Decken wickelte.

„Das wird schon, hörst du, das wird schon“, flüsterte er und strich mir das nasse Haar aus dem Gesicht. Er schaute mich an, und ich glaubte ihm.

Ich glaubte ihm, wie ich noch nie einem Menschen so bedingungslos geglaubt und vertraut hatte.

So war das früher gewesen. Dann war es schwerer geworden.

Niklas war da. Und ich war doch noch ein Mädchen, ein Mädchen ohne Ausbildung, ohne Geld, ohne Erfahrung.

Er ging den ganzen Tag arbeiten. Ich wusste, dass wir trotzdem kein Geld hatten. Ich war das gewöhnt, ich hatte nie viel Geld gehabt. Ich hatte gelernt, meine Bedürfnisse zu reduzieren, und er konnte es auch.

Aber ich sah nicht ein, warum wir Niklas Bedürfnisse reduzieren sollten. Er war unser Sohn, er war das Einzige, was wir hatten.

„Dafür haben wir kein Geld!“, sagte er und ich blickte auf.

„Ach ja, was willst du ihm denn sonst zu essen geben?“, fragte ich. Ich konnte nicht einsehen, warum Niklas das alles ausbaden sollte. Warum er die Fehler unserer Jugend ausbaden sollte. Ich war immer noch jung, ja, aber meine Jugend war vorbei.

„Jedenfalls nicht das! Das können wir uns nicht leisten!“, sagte er und seine Stimme wirkte zornig.

„Willst du ihm den letzten Dreck geben oder was?“

Da rastete er aus. Zum allerersten Mal.

Er ist noch öfters ausgerastet, aber geschlagen hat er mich nie. Ich hatte Angst. Seine Worte trafen mich härter als alle Schläge dieser Welt.

Denn es war die Wahrheit, und das wusste ich.

Was hatten wir denn schon? Ich war ein Mädchen. Er war zornig, verzweifelt. Wir hatten doch keine Chance. Wir hatten weder Geld, noch eine anständige Wohnung, wir hatten nichts, was wir Niklas bieten konnten.

Nicht einmal eine Zukunft.

So war das früher gewesen.

Ich weinte oft. Und es machte ihn wütend, wenn ich weinte, und Niklas schrie. Es tat mir so weh in den Ohren.

Das Geld war so schnell weg, wie es auf dem Konto war. Verstanden haben wir uns auch nicht mehr, gestritten haben wir uns wegen jedem bisschen. Er hat nicht mehr gesagt, dass alles schon in Ordnung kommen würde.

Er hat nur geseufzt und seine Augen wurden von Tag zu Tag leerer, er wurde schmaler, sah ausgemergelter aus, von den ganzen Sorgen.

Ich habe mir so gewünscht, dass er es noch einmal sagen würde. Ich hätte es ihm geglaubt. Ich habe diese Worte so ersehnt, wie nichts anderes. Aber er schwieg.

Wir redeten nicht mehr viel. Tatsächlich hatte ich das Gefühl, wir hätten uns nichts mehr zu sagen.

Ich war ja nur ein Mädchen. Ich kam mir so schrecklich vor. Ich hatte nichts, nicht einmal mehr den Mann, den ich liebte.

Jeden Tag brachen meine Träume ein Stück mehr ein. Am Ende stand ich vor einem Schutthaufen, der meiner Seele nur noch wenig Platz ließ.

Ich schämte mich dafür, dass Niklas so eine Mutter hatte. Er war zwar noch zu klein, um das alles zu verstehen, aber es wurde nicht mehr besser.

Den Spiegel im Bad hatte ich schon lang abgehängt, weil ich mich selbst nicht mehr ertragen konnte. Ich konnte meine knorrigen Wangen nicht mehr sehen, genauso wenig wie die dunklen Augenringe. Meine Jugend hatte ich schon mit zwanzig restlos verloren.

So war das damals gewesen. Ich zerbröckelte und verblasste.

Ich merkte, dass es leichter war, sich an ruiniertes Leben zu gewöhnen. Man musste sich einfach damit abfinden.

Er fand sich nicht damit ab, ich bekam große Angst. Er war der einzige Mensch außer Niklas, der mit etwas bedeutete. Ich hatte Angst davor, dass ihm etwas zustieß, dass es ihn zerstörte, dass die Arbeit ihn zerstörte, unser Leben.

Von Tag zu Tag sah er schlimmer aus und ich flehte nur noch innerlich, er möge es sich doch einfach leichter machen, indem er aufgab. Aber ich kannte ihn zu gut. Er würde nicht aufgeben. Niemals.

Auch wenn wir nicht mehr miteinander sprachen – das Streiten hatten wir längst aufgegeben – wenn wir alles, wofür wir früher lebten, zu Grabe getragen hatten, konnte ich doch nicht zulassen, dass er so vor die Hunde ging. Schließlich hatten wir uns einmal geliebt.

Aber ich schwieg lange Zeit. Ich aß nicht mehr als nötig, ich kaufte nicht einmal mehr neue Kleider, egal, wie billig sie waren. Überhaupt kaufte ich nichts mehr, außer für Niklas.

So war das damals gewesen. Lange haben wir so gelebt. Dann kam die Welle. Ich schwieg nicht mehr.

„Du machst mich krank“, schrie er.

„Ach ja? ICH mache dich krank? Du machst dich selbst krank!“

„Deine Art macht mich krank! Das bist doch alles nicht mehr du! Du bist doch nur noch ein Abklatsch von früher.“

Das traf mich. Es war, als würde eine Pfeilspitze mein Herz durchbohren. Es tat so weh.

„Ich habe nie aufgeben“, flüsterte er.

Ich sackte zusammen. Niklas schlief schon längst.

Meine Hände zitterten so sehr, mein Körper fühlte sich so kaputt an. Ich hatte tagelang so gut wie nichts gegessen.

„Aber es ist doch so sinnlos“, murmelte ich, ohne zu bemerken, wie Tränen über mein Gesicht rannen.

Wie lange hatten wir nicht mehr miteinander gesprochen?

„Das darfst du nicht sagen.“ Er setzte sich neben mich. „Ich schaffe das nur nicht alleine, hörst du?“

Ich hörte es, ich hörte es so klar und deutlich, und ich sah zu ihm auf. Dann legte er einen Arm um mich und sagte:

„Das wird schön, hörst du, das wird schon. Wir werden das schaffen, wir müssen nur was dafür tun.“

Und ganz plötzlich, in dem Augenblick, in dem sich mein Herz begann wieder zu erröten, meine Hände wieder zu fühlen, und meine Augen wieder die Schönheit erblickten, glaubte ich ihm.

[jahre vergehen und vieles bleibt gleich, aber es ist nicht mehr still, es ist nicht mehr schwarz, es ist kein blut mehr da, es ist nicht sauber, aber es lohnt sich.]

28.8.07 16:06


das ist nun beinahe genau ein jahr her und ich habe es im grunde ganz gut geschafft. wenn ich zurückblicke. heute frage ich mich oft, wie lang die zeit, nie nötig oder unnötig etwas war. nur - es war eben so. und ich frage mich, ob sich viel geändert hat, außer, dass ich gelernt habe, immer nur gutes fühlen zu müssen. ich denke, es läuft ganz gut, wenn man immer tut, als wäre alles in ordnung, weil man sich darüber bewusst ist, dass es viel schlimmer hätte kommen können. ich weiß nicht, wohin das führt - wie auch - aber irgendwo muss man ja auch mal ankommen. und auch, wenn da absolut keine lust mehr ist, habe ich angst, dass es wieder dunkel wird, weil ich weiß, dass das nicht sein soll, weil das falsch ist, weil ich nichts sehe, weil ich den weg nicht finde, weil ich stehenbleibe, weil ich vielleicht vom weg abkomme, weil ich niemandem mehr in die augen schauen kann, weil ich mich selbst nicht mehr erkenne. und deshalb - muss die kerze anbleiben.

 

auch wenn es nicht mehr geht.

24.8.07 15:13


es ist mehr so, als würde ich mir gedanken darüber machen, was ich gesagt habe. weißt du, eigentlich könnte es egal sein, denn für gefühle muss man sich nicht entschuldigen. das problem ist trotzdem da. und zwar, dass ich über gefühle gelogen hab, und mich nicht mehr erinnern kann.

 

und eigentlich möchte ich mich nie wieder daran erinnern, was ich gesagt habe. also bitte haltet den mund.

22.8.07 19:32


weißt du, in deinem kopf, da kannst du anstellen, was du möchtest. du kannst die worte auf dem papier aufwecken und auf bildern die farben spüren, du kannst die melodie im herz spielen und es trifft oder es tut es eben nicht, aber ändern brauchst du es deswegen nicht, weil es dir ist. es kümmert niemanden, genau wie viele sachen. und es ist vielleicht sogar in ordnung so. ob es dir gut tut, dich in den himmel zu fallen, weiß ich nicht. nur ich weiß, dass, egal wo mein kopf ist, meine füße im gras bleiben. und es ist wirklich schön so.

vielleicht glaube ich zu sehr an das eine, unverkömmliche. aber weißt du, im selben augenblick verliere ich den glauben. aber was wäre der zauber ohne zauber?

21.8.07 20:16


komm mein mädchen reich mir deine hände
wir beide wissen du bist zur zeit am ende.

stell dich nicht so an. das ist nicht nötig. und deshalb mach ich es auch nicht. aus.

19.8.07 18:50


if winter ends.

but i swear that i would follow anything if it would just get me out of here.


but i fell for the promise of a life with purpose.






i scream for the sunlight or a car to take me away
just get me past this dead, eternal snow
because i swear that i'm dying. slowly, but it's happening.

and if the perfect spring is waiting somewhere,
just take me there,
just take me there,
just take me there,
and say and lie to me and say,
and lie to me and say,
it’s gonna be alright,
it's gonna be alright,
yeah, you worry too much kid,
it's gonna be alright.

19.8.07 18:44


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